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Die größte Leadership-Lüge: „Start with Why“

vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit


„Start with Why“ gilt als goldener Standard moderner Führung. Kaum ein Leadership-Training, Keynote oder Leitbild kommt ohne diesen Satz aus. Sinn, Purpose, innere Ausrichtung – alles soll dort beginnen.

Aber genau hier beginnt auch das Problem.

In meiner Arbeit sehe ich ständig Führungskräfte, die ihr Why kennen. Sie können es erklären, begründen, reflektieren und zwar im Schlaf! Sie wissen genau, wofür sie arbeiten, warum sie Verantwortung tragen und wozu sie führen wollen. Und trotzdem scheitern sie im Alltag: Entscheidungen bleiben liegen. Grenzen werden nicht gesetzt. Energie versickert.

Das Why ist da. Die Führung nicht. Warum ist das so, wenn die Beantwortung nach dem eigenen Why doch der heilige Gral sein soll?

 

Motivation: Super Marios Turbopilz

Wenn wir über das Why sprechen, sprechen wir  eigentlich über Motivation. Ein Potpourri aus innerer Bedeutung, emotionaler Verbindung und Begeisterung. Das fühlt sich gut an, denn es gibt Orientierung. Aber vor allem liefert es kurzfristige Energie. Motivation ist sowas wie der Turbo-Pilz beim SuperMarioKart: Er gibt dir einen kräftigen Push, aber seine Kraft ist nur von kurzer Dauer.  

Genauso wie dieser Turbo-Pilz kein Garant ist, um ins Ziele zu kommen, so ist Motivation ein recht instabiler Begleiter für Führungskräfte. Sie reagiert empfindlich auf Schlafmangel, Konflikte, Druck und Komplexität. Wer Verantwortung trägt, weiß das. Nach drei Meetings, einem schwierigen Mitarbeitergespräch und einer kritischen Rückmeldung von oben bleibt vom inneren Feuer wenig übrig. (So wie du bei Mariokart ausgebremst wirst von roten, grünen und blauen Schildkröten.) Da hilft auch kein Rückbesinnen auf sein Why.

Viele interpretieren diesen Energieverlust nun als persönliches Problem. Sie glauben, sie hätten den Kontakt zu ihrem Why verloren. Also reflektieren sie noch intensiver. Sie denken mehr über sich nach. Sie suchen nach innerer Klarheit und gehen dabei in einen Kampf mit sich selbst.

Was dabei übersehen wird: Motivation ist kein verlässlicher Dauerantrieb. Sie eignet sich für Startpunkte, nicht für Belastungsphasen. Führung findet aber genau dort statt.


 

Motivation ist überschätzt – Disziplin ist skalierbar

Wenn du dich nur auf deine Motivation verlässt, glaubst dein Why „wird`s schon richten“, wirst du nie konstant vorankommen.  Motivation ist etwas Schönes. Bis du keine Lust mehr hast.

Disziplin dagegen ist verlässlich. Leider hat sie einen schlechten Ruf. Viele verbinden mit ihr Härte, Zwang und ständiges Sich-Zusammenreißen. Kein Wunder, dass sie abgelehnt wird.

Im Alltag wirksamer Führung zeigt sich Disziplin jedoch ganz anders: Sie reduziert Entscheidungen. Sie schafft Verlässlichkeit. Sie verhindert, dass alles ständig neu ausgehandelt wird.

Führungskräfte, die langfristig stabil bleiben, kämpfen selten heroisch mit sich selbst. Sie haben klare Routinen entwickelt, setzen feste Prioritäten und eindeutige Grenzen. Ihr Alltag ist strukturiert genug, um Energie zu sparen. Prominentes Beispiel: Steve Jobs trug immer die gleiche Kombination aus schwarzem Rollkragenpullover (von Issey Miyake), Levi's 501 Jeans und New Balance Sneakern, um Entscheidungsmüdigkeit zu vermeiden, seine Denkenergie auf wichtigere Dinge zu konzentrieren und seine persönliche Marke zu stärken, was zu einem ikonischen, wiedererkennbaren "Uniform"-Look führte. Diese bewusste Entscheidung half ihm, sich auf seine Arbeit zu fokussieren, anstatt über Kleidung nachzudenken

Natürlich ist das nur ein kleines, sehr reduziertes Beispiel von Disziplin, dennoch zeigt es, dass sie nicht einschränkend wirkt, sondern schützt.

Disziplin ist verlässlich. Sie trägt dich auch dann, wenn du keine Lust hast. Sie macht dich unabhängig von Stimmungsschwankungen und Ausreden.

 

Selbstführung ist kein Wellness

Disziplin bedeutet: Du tust, was getan werden muss. Sie ist einer der Grundskills für Selbstführung und deshalb auch unverzichtbar für Führungskräfte.

Selbstführung wird oft als rein innerer Zustand verstanden. Als permanentes Spüren. In der Praxis zeigt sie sich viel nüchterner. Es geht vielmehr darum, zu reflektieren, seine unbewussten Abläufe und Programme zu erkennen, um diese zu optimieren.

Wie planst du deinen Tag?Wie schützt du deine Energie?Wie viele Entscheidungen triffst du immer wieder neu?

Dadurch erreichen wir eine bewusste Achtsamkeit, die uns hilft klare Strukturen zu schaffen, Emotionalität sinnvoll zu nutzen, was wiederum unser ganzes System- sowohl psychisch als körperlich- entlastet.

 

Ein Team ohne Führung

Ein Führungsteam im LYF-Training: Hoher Krankenstand. Frustration. Die Führungskraft sagt: „Ich möchte mein Team wieder motivieren. Wir brauchen ein neues Why

Aber was das Team gebraucht hat war keine Motivation, sondern Klarheit. Zuständigkeiten. Entscheidungen. Verlässlichkeit. Wir arbeiten im Training kaum an Sinnfragen. Die LYF-Methode setzt ganz gezielt bei Selbstführung an. Dadurch steigern wir Verbindlichkeit in allen Bereichen von Kommunikation bis Teamfähigkeit.

Einige Wochen später kommt die Rückmeldung:„Ich führe wieder. Und das Team merkt es.“

Kein neues Why - Mehr Alltagstauglichkeit.

 

Fazit

„Start with Why“ ist ein starkes Narrativ. Es verkauft sich gut, weil es Orientierung gibt und den nötigen Push am Anfang. Für konsequente Selbstführung und dauerhaften Erfolg reicht das nicht.

Führung scheitert selten an fehlendem Sinn. Sie scheitert an zu viel Unbewusst-sein, an fehlender Struktur und an der Angst vor klaren Entscheidungen.

Disziplin schafft Stabilität, wenn Motivation schwankt.Struktur trägt, wenn Sinn allein nicht reicht.

Wer führen will, muss bei sich selbst beginnen. Genau dafür steht LYF.

 
 
 

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